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Escrima - Mit Kampfkunst gegen Gewalt












Fotos: Effi Schweizer

Umfrage zur Gewalt (Power-Point-Präsentation, 722 KB)

Die Schülerin Rebecca Baur, Kl. 9a schreibt:

Escrima. Bis zum 10. Juli wussten auch wir, die Klasse 9a, nicht so genau, was wir zu erwarten hatten. Wir wussten zwar, dass es irgendwas mit Stöcken und Tanz war - aber was stellt man sich darunter denn vor? Als wir dann mehr oder weniger erwartungsvoll in die Pfleghofhalle kamen, sahen wir die fürs Escrima typischen Rattan-Stöcke in einem Kreis, der die Sonne darstellen sollte, am Boden liegen. Wir setzten uns in einen Kreis und lernten, nach einer Art Anfangs-Meditation, anhand eines Art Spiels mit unseren Namen, dass beim Escrima das oberste Gebot "zuerst Denken, dann Handeln" lautet. Nach ein paar Aufwärmübungen mit den Stöcken ging es dann mit den wesentlich spannenderen und lustigeren Partnerübungen weiter, bei denen aber schon ein wenig Konzentration erforderlich war, um den Partner nicht aus Versehen zu verletzen. Und wenn bei den Übungen auch mal ein Rattan-Stock zu Boden ging - es war uns relativ egal, denn wir hatten ja gelernt, uns zum einen nicht selbst "fertig" zu machen und andererseits selbst mental wieder aufzubauen, mit Sätzen wie z.B. "Ich schenke mir ein Lächeln." oder "Ich darf gut sein, aber ich muss es nicht gut sein."

Richtig interessant wurde es in der zweiten Hälfte unseres 1½ -stündigen Kurses. Wir lernten eine Abfolge von Bewegungen, die wir später auch zu Musik "tanzten", was uns sehr viel Spaß gemacht hat. Ziemlich am Schluss haben wir noch eine Art Choreographie mit unseren Stöcken gelernt, die aber ein bisschen kompliziert war -ich denke mal, dass sie keiner mehr kann… Am Ende des Kurses gab es wieder eine kleine Meditation und die Rattan-Stöcke wurden wieder an die "Sonne" zurückgegeben.

Fazit: Der Kurs ist sehr zu empfehlen aber man sollte ihn mehr als nur einmal 1 ½ Stunden machen, um richtig was zu lernen!!

Etliche Schüler und Schülerinnen gehen mit Stöcken aufeinander los. Die Stöcke treffen knallend aufeinander und erzeugen einen verbrannten Geruch. Die Schlagkraft der Stöcke würde ausreichen um Finger zu brechen. - Was ist los in der Pfleghofhalle?

Zwei Schulstunden lang jeweils konnten die Klassen 9a und 8d sowie eine Gruppe Lehrer und anderer interessierter Erwachsener Grundzüge der philippinischen Kampfkunst Escrima und damit Wesentliches für den respektvollen Umgang miteinander erlernen. Diese Aktion stand unter dem Motto "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage". Mit der Teilnahme an diesem Projekt sprechen sich die Schüler des RBG dafür aus gegen alle Formen von Diskriminierung, insbesondere Rassismus, aktiv vorgehen und einen Beitrag zu einer gewaltfreien, demokratischen Gesellschaft leisten zu wollen.

Die Ereignisse in Winnenden bestürzten die Schüler meiner Klasse und der Wunsch wurde laut sich mit Gewalt in der Schule eingehender zu beschäftigen. Wir lasen Morton Rhues Roman "Ich knall euch ab", führten eine schulweite Umfrage zu Gewalt am RBG durch und entschieden uns ein Gewaltpräventionsprogramm, nämlich Escrima bei Pia André, zu machen.

Pia André ist Tänzerin und Bewegungspädagogin. Seit 1988 unterrichtet sie die philippinische Stockkampfkunst Escrima. Sie bildet Theater- und Tanzpädagogen aus und leitet Aus- und Weiterbildungen am Regierungspräsidium Tübingen und am Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (GHS) Meckenbeuren.

Dr. Birkenfeld befürwortete die Aktion und konnte uns dankenswerterweise aus dem Schuletat finanziell unterstützen. Am 10. Juli 2009 war es soweit: Den Schülern wurden in einem kleinen feierlichen Ritual die 66cm langen Rattan-Stöcke überreicht. Pia André weiß: "Wenn ich den Jugendlichen die Stöcke in die Hand gebe, bringe ich Ihnen damit Vertrauen entgegen. Das Ritual macht deutlich: ‚Ich bin davon überzeugt, dass du mit dieser Waffe verantwortungsbewusst umgehst'". Den Schülern wird eine durchaus ernst zu nehmende Waffe in die Hand gegeben, denn wie alle Kampfkünste ist auch Escrima ein Mittel dazu an sich selbst zu arbeiten die eigene Kraft zu entwickeln, zu erleben und zu kontrollieren. Wut und Aggression, so Pia André, sind an und für sich nichts Schlech-tes, sondern ein elementarer Bestandteil des menschlichen Daseins. Es kommt aber darauf an, die aggressiven Impulse zu erkennen und sie kontrolliert und konstruktiv - anstatt destruktiv - einzusetzen.

Zunächst machten sich die SchülerInnen bei Aufwärmübungen mit den Stöcken vertraut: Die Stöcke wurden in den Händen geschwungen und schließlich sogar einander zugeworfen. Natürlich gingen dabei viele Stöcke zu Boden. Blamabel? Viele Schüler versuchten blitzschnell ihre Fehler wieder ungeschehen zu machen und die Stöcke aufzuheben. Doch das ist gefährlich, zu leicht übersieht man dabei die wirbelnden Stöcke anderer Übender. Ein Innehalten ist notwendig, ein kurzes "Stopp", das man sich selbst sagt und das einem die Möglichkeit gibt, sich einen Überblick zu verschaffen um sicher den Stock zu holen.

Dieses Innehalten bietet zudem auch die Möglichkeit die Freude und Leichtigkeit des Lernens wieder herzustellen: Zu oft bewirken "Fehler", dass wir Stress und Druck empfinden und hektisch und unkontrolliert reagieren. Doch wer etwas Neues lernt, wird sicher Fehler machen. Es ist nicht schlimm, wenn der Stock fällt: "Statt beschämt zu sein oder euch zu ärgern, schenkt euch lieber ein Lächeln. Ihr dürft gut sein, aber ihr müsst nicht gut sein.", rät Pia André.

Und noch eine Möglichkeit ergibt sich durch das kurze Innehalten: Ich kann mir bewusst werden, ob das, was ich automatisch tun wollte, auch wirklich das ist, was ich in dieser Situation tun möchte. Ich kann mich also entscheiden, was ich tue. Gerade dies ist sehr wichtig bei aggressiven Handlungen: Es gibt immer eine alternative Handlungsmöglichkeit, ich allein entscheide, ob ich gewalttätig bin oder meine Probleme auf andere Weise löse.

Und dann kam der erste Angriff: Ein Schüler blieb in Treffweite des Stockes stehen, während die Partnerin zum Schlag auf das Schlüsselbein ausholte und erst kurz vorm Aufprall die Bewegung abstoppte. Anschließend wurden die Rollen getauscht. Auf diese Weise erlebten die Schüler die Täter- bzw. Opferrolle hautnah mit: Wie ist es jemanden zu schlagen? Wie geschlagen zu werden? Und endlich durften beide Partner die Stöcke benutzen und parierten jeweils die Schläge des Partners.

Doch mit Stöcken kann man mehr machen als nur damit zu kämpfen: Später wurden die Stöcke auch als Instrumente genutzt. Im Takt wurden sie auf den Boden geschlagen, gegeneinander oder auf die eigenen Fußsohlen. Der deutlich wahrnehmbare, gemeinsame Rhythmus stärkt das Gemeinschaftsgefühl und lässt die Kraft der Stöcke spürbar werden.

Zum Abschluss lernten die Schüler noch eine Form. Alle gleichzeitig vollführten sie die gleichen Schläge in einer bestimmten Schrittfolge - fast ein Tanz - bevor sie erneut mit einem kleinen Ritual die Arbeit mit den Stöcken für diesmal beendeten.

Xenia Fox


Robert-Bosch-GymnasiumLangenau - 28..07.2009
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