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Die Waiapi im tropischen Regenwald







Als vor 40 Jahren eine Straße durch den Urwald gebaut wurde, stand das Volk der Waiapi plötzlich dem weißen Mann gegenüber. Vorher hatten sie nicht gewusst, dass Weiße existieren. Wie lebt dieses Volk im brasilianischen Regenwald? Was denken, was fühlen sie, wie arbeiten sie? Auch für Langenauer Schüler tut sich hier eine ganz neue Welt auf. Man kann ganz anders leben. Wie? - das berichteten im Gymnasium der etwa 70-jährige Häuptling Waiwai und Patena, 33 Jahre alt, vor Schülern der Oberstufe. Sie kamen mit dem Vorsitzenden von POEMA, Gerd Rathgeb, und mit Simone, die beim brasilianischen Institut für Indigene Völker für die Waiapi zuständig ist. Dolmetscher waren auch nötig, denn Häuptling Waiwai sprach in seiner eigenen Indianersprache, die ins Portugiesische übersetzt werden musste, das dann Herr Jolowicz ins Deutsche übertrug. Eingeladen waren sie von der POEMA-AG und ihrer Leiterin Frau Hahn.

Das gefurchte Gesicht von Waiwai verriet eine tiefe Lebenserfahrung, Glück, aber auch Sorgen in einem schweren Anpassungsprozess, der seinem Volk aufgezwungen wurde. Als vor 40 Jahren die Goldsucher mit Flugzeugen kamen, verschmutzten sie das Trinkwasser und brachten Krankheiten mit. In kurzer Zeit starben die meisten der Waiapi. Von 2000 Menschen überlebten nur 140. Wütend zündeten die Waiapi das Flugzeug der Goldsucher an und diese flohen. Sie hinterließen Abfall und das Land war verseucht.

Die brasilianische Indianerschutzbehörde kümmerte sich danach um die Waiapi, damit Krankheiten wie Malaria, Grippe und Masern bekämpft werden konnten. Sie bildete in Kursen medizinisches Hilfspersonal aus, denn Ärzte und Krankenhäuser sind viel zu weit weg. Aus Geldmangel hat die Regierung diese Kurse aber später eingestellt. POEMA ist dann eingesprungen und hat die Kosten für diese medizinischen Kurse übernommen. Heute gibt es wieder 1000 Waiapi.

Weitgehend leben die Waiapi aber noch so wie früher. Sie haben zwar Motorboote und Funkgeräte, aber Strom kann es nur über Solarzellen geben. Häuptling Waiwai will auch keine Kulturvermischung. Die Waiapi wollen ihre Identität bewahren, sagte er. Die Kinder gehen heute zwar vier Jahre lang zur Schule, wo sie auch Portugiesisch lernen, bleiben aber danach in ihrer dörflichen Gemeinschaft, die ihnen Geborgenheit bietet.

In der anschließenden Diskussion wurden viele Fragen gestellt und weitere Themen besprochen, z.B. die Rolle der Frau: Bei den Waiapi gibt es eine strenge Rollenverteilung. Die Frauen besorgen das Haus, die Männer jagen und fischen. In der Landwirtschaft arbeiten beide.

Waiwai und Patena wurden auch gefragt, wie sie den Kontakt mit der Welt der Weißen sehen. Sie antworteten, die Frage nach dem "gut" oder "schlecht" stelle sich nicht wirklich. Der Kontakt sei nun mal da und lasse sich in der heutigen Welt einfach nicht mehr vermeiden. Sie seien einerseits froh über die medizinische Hilfe, andererseits seien sie wütend, weil die Weißen diese Krankheiten gebracht hätten. Gar nicht gefällt ihnen, dass die Indianer in Brasilien wenig respektiert würden und sie seien deshalb froh und dankbar, dass die deutschen Schüler ihnen so viel Respekt und Interesse entgegenbrächten.

Effi Schweizer




POEMA-Seite auf der Homepage des Robert-Bosch-Gymnasiums

www.poema-deutschland.de


Robert-Bosch-GymnasiumLangenau - 18.06.2010
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