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Derniere des ersten Literatur- und Theaterkurs am Robert-Bosch-Gymnasium: Spielszenen aus Emilia Galotti












Link: Seite des Literatur- und Theaterkurses

Nach der Präsentation zur Petr-Ginz-Ausstellung, dem Pausentheater, der Wasser-Performance in der Langenauer Kulturnacht und nach Szenen zur Commedia Dell’Arte zeigen die Abiturienten öffentlich ihre letzten spielpraktischen Prüfungen, bevor fünf von ihnen in dem neuen S chulfach ihre Abiturprüfung ablegen. Jede und jeder von ihnen hat sich mit Literatur und Theater entwickelt, ist einen persönlichen Weg gegangen, hat einen Zuwachs an Präsenz, Ausstrahlung, Interaktionsfähigkeit erfahren und ist Teil einer Gruppe geworden, die eng zusammengewachsen ist, sich blind versteht und auch mir als Leiterin ans Herz gewachsen ist. Ich bin dankbar für den Weg, den wir miteinander gegangen sind!

Dass die Spieler inzwischen theatralische Ausdrucksmittel beherrschen, Szenen dramaturgisch erschließen können und sich in der Theatergeschichte und in wichtigen Theatertheorien der Neuzeit auskennen, stellten sie mit dieser Performance unter Beweis: Aufgabe war es, sich zu zweit eine Szene aus Lessings Drama „Emilia Galotti“ auszusuchen und gemäß der Theatertheorie von Bertolt Brecht zu inszenieren. Dabei haben wir die Geschichte der Emilia Galotti auf uns wirken lassen und gefragt, was uns eigentlich daran berührt. Mir kam ein Straßenplakat der Konzeptkünstlerin Jenny Holzer in den Sinn, von dem mir eine Freundin erzählt hatte: An eine Hauswand in New York projiziert Holzer mit übergroßen Lettern Protect me from what I want. Das wurde für uns zum Leitgedanken im Verständnis von Lessings Drama: Jede Figur hat eine Sehnsucht, deren Erfüllung die Ordnung sprengt, in der sich alle miteinander eingerichtet haben.

An zwei Nachmittagen haben wir mit Experimentierfreude diese Bilder mit Ensembleszenen verbunden zu einem Ganzen. Immer wieder zeigten die Spieler, wie Brecht es von seinen Theaterleuten verlangt, dass sie selbst andere Menschen sind als die Figuren, die sie darstellen, dass ihre Gedanken oder gar Sehnsüchte andere sind. So kommt der Zuschauer in Kontakt mit den Sphären seiner Persönlichkeit, wo das Protect me from what I want ein Echo findet.

Dass es zwischen Schluss und Applaus einen Moment der Stille gab, zeigt, dass die Performance berühren konnte, das schönste Kompliment, das ein Publikum einer künstlerischen Darbietung machen kann.

Im Nachgespräch sagen die Spieler mit leuchtenden Augen, dass sie dieses Fach jederzeit wieder wählen würden und dass sie sich auf ihre Abiturprüfungen freuen - ein Erfolg für das Robert-Bosch-Gymnasium: Das neue Fach steht auf sicheren Beinen und hat sich im Schulgebäude einen eigenen Raum verdient!

Für diesmal geht noch ein herzlicher Dank an Herrn Maßler und Frau Fehr vom Jugendtreff im Kaos-Keller, die uns mit der Nutzung ihrer Räumlichkeiten einen schönen Abschluss von zwei Jahren Literatur und Theater ermöglicht haben.

Kerstin Grevel




Fotos: Schweizer

Robert-Bosch-GymnasiumLangenau - 14.05.2010
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