Naturphänomene geographisch

[ 1999/2000 - Untersuchungen an der Nau ]
[ 2003/2004 - Pflanzenpresse | Bodenuntersuchungen | Wetterstation ]

1. Unsere Schüler wachsen in einem zunehmend naturfernen, von technische Geräten wie PC, Fernseher, Videogerät und Auto bestimmten Umfeld auf.

2. Dadurch werden ihnen persönliche Erfahrungen verwehrt, die sie erlebnisfähig machen, die ihnen eine Auseinandersetzung mit ihren natürlichen Lebensgrundlagen ermöglichen, sie aber auch fähig machen, widrige Witterungs- und Arbeitsbedingungen zu bewältigen.

3. Das Fach Naturphänomene kann dieses Defizit beheben helfen sofern es in einer Art Erlebnispädagogik erteilt wird. Ein deduktiver Ansatz draußen in der Natur ist dringend erforderlich.

4. Der Ansatz muss fächerübergreifend sein. Daher ist ein Fach als Leitfach ins Zentrum zu stellen, das Gelenkfunktion ausüben kann und eo ipso einen fächerübergreifenden Ansatz hat, nämlich die Geographie.

5. Die Geographie hat diesen Anspruch in Klasse 5 erfüllt, solange 3 Wochenstunden zur Verfügung standen. Wetterbeobachtungs- und messreihen, Experimente zur Klimatologie, Gewässeruntersuchung, Orientierung mit Karte und Kompass sowie der Selbstbau vieler erforderlicher Geräte gehörten zum Geographieunterricht. Dieser sehr fortschrittliche Ansatz wurde mit der Kürzung der Stundentafel und der Verlagerung der 3. Ek-Stunde in die Klasse 6 zunichte gemacht. Eine weitere Kürzung der Geographie-Stundenzahl ist im Rahmen der kommenden „Reformen“ zu erwarten!

6. Wenn an manchen Schulen diese praxisnahe Geographie nicht erteilt wurde, so liegt das in erster Linie an der früher praxisfernen, theorielastigen und schulzimmerzentrierten Ausbildung der Geographielehrer, aber auch an der Lehrplanhörigkeit (oder auch Gängelung) und am mangelnden Mut der Lehrer! Dazu kommt noch die immer stärker in den Vordergrund tretende zeitliche Überlastung der Lehrer.

(Günther Krämer)
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Schuljahr 1999/2000 Untersuchungen an der Nau:

Das Flüsschen Nau entspringt in mehreren Karstquellen (Quelltöpfen) im Stadtgebiet von Langenau an der Landschaftsnaht zwischen der Schwäbischen Alb und dem Donauried. Als Warme Ach und Kalte Ach durchfließen die Quelläste das Stadtgebiet und vereinigen sich unterhalb der Stadt zur eigentlichen Nau. Durch die räumliche Nähe zur Schule ist sie ein geeignetes Untersuchungsobjekt.


Lernziele:

... mit entsprechender Ausrüstung bei fast jedem Wetter draußen arbeiten
... sich an konkrete Arbeitsanweisungen halten
... einfache physikalische und chemische Messreihen am komplexen Objekt durchführen
... Pflanzen- und Tierarten bestimmen und bestimmten Lebensräumen zuordnen
... Messprotokolle, Beobachtungsbogen erstellen und evtl. in Diagrammen darstellen
... in Kleingruppen arbeiten aber das Ergebnis als Klasse darstellen (Teamwork)
... Karten lesen, Karten herstellen
... sich verantwortungsbewusst gegenüber unserer „natürlichen“ Umwelt verhalten
... Umweltbeeinträchtigungen erkennen und untersuchen
... neugierig werden
... kleine Abenteuer suchen
... staunen, was es so alles in der Natur um uns herum gibt, welche Zusammenhänge zwischen Mensch, Pflanze, Tier, Wasser, Boden und geologischem Untergrund bestehen
...
Diese Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit!


Arbeitsablauf:

- Inhaltliche und technische Vorbesprechung:
  • Einführung in die Arbeitsmethoden anhand der Arbeitsblätter
  • Aufteilung der Klasse in 2 Gruppen
  • Zuordnung zu jeweils 4 Arbeitsgruppen
  • Festlegung des Arbeitsplans und der Termine. Diese Vorarbeiten erforderten 5 Unterrichtsstunden
  • Praktische Untersuchung am Bach: 3 Nachmittage mit je 3 Unterrichtsstunden (wird im Frühjahr fortgeführt)
  • Besuch des naturkundlichen Bildungszentrums in Ulm (vorher Vorbereitungsstunde)
    - Wanderungen am Bach entlang, Fortführung der Gewässeruntersuchung, Zusammenstellung der Ergebnisse auf Plakaten, kurze Zusammenfassung in einem Heft
    - Radtour entlang der Nau bis zur Mündung in die Donau


    Erfahrungen:

  • Positiv:
    Die Schüler sind mit Begeisterung bei der Sache, sie würden am liebsten jede Woche einen ganzen Nachmittag Naturphänomene machen. Es ist organisatorisch schwierig, alle Schüler bei der Arbeit am Bach gleich gut zu betreuen, da sich die Schüler auf einer großen Fläche verstreuen. Physikalische und chemische Untersuchungen sowie geographische Bestandsaufnahmen klappen hervorragend. Der Besuch im Naturkundlichen Bildungszentrum war sehr motivierend.

  • Negativ:
    Bei den meisten Schülern fehlt das Gespür, wie man sich in der Natur draußen verhält. So sind Tierbeobachtungen wegen des Radaus fast nicht möglich. Es fehlt botanisches und zoologisches Vorwissen, so dass nur wenige Pflanzen- und Tierbestimmungen möglich sind. Viele Schülerinnen sind trotz klarer Vorgaben unzweckmäßig gekleidet (Schuhe!). Auf Grund der schwierigen Überwachung ist „Abseilen“ leicht möglich. Die Erstellung von Karten ist für Sechstklässler zu schwierig. Allgemein gibt es Probleme bei der Umsetzung von Geländebeobachtungen ins Kartenbild.

  • Fazit:
    Die Arbeitsaufträge müssen einfach sein. Das Untersuchungsobjekt muss relativ kleinräumig und exakt begrenzt sein. Den Schülern müssen gute Kartengrundlagen als Kopien zur Verfügung gestellt werden. Obwohl einige Schüler ihre benötigten Materialien sehr sorgfältig zusammengestellt oder gebastelt haben, ist es doch im Interesse eines reibungsvollen Ablaufs sinnvoll, alle benötigten Materialien von der Schule aus bereitzustellen. Als Einführung eignet sich der Besuch des Naturkundlichen Bildungszentrums sehr gut. Allerdings sollten die dort ausliegenden Rätselblätter (welche die Schüler mit großem Eifer und viel Spaß bearbeitet haben) auf die Untersuchungsziele abgestimmt werden. Der Zeitaufwand ist extrem hoch, viel höher als der des normalen naturwissenschaftlichen Unterrichts, wo der Untersuchungsgegenstand sich in der Physik- oder Chemie-Sammlung befindet und damit der gesamte Unterricht mit Vorbereitung in einem eng begrenzten Raum stattfindet. „Naturphänomene geographisch“ vermittelt umfassende ökologische Kenntnisse, auf die Natur bezogene chemische, physikalische und biologische Grundfertigkeiten, eine Einführung in naturwissenschaftliche Arbeitsmethoden, und das alles geographisch auf das praktische Raumbeispiel bezogen und umgesetzt, im Gegensatz zum herkömmlichen Unterricht im Klassenzimmer oder im Praktikumsraum.

    „Naturphänomene geographisch“ erreicht soziale Lernziele und macht Lehrer wie Schülern großen Spaß. Allerdings ist Voraussetzung, dass die Hauptarbeit draußen im Gelände am konkreten Raumbeispiel durchgeführt wird. Der Geographielehrer hat das nötige Raumverständnis. Eine Kooperation mit der Biologie und mit Einschränkungen mit Physik und Chemie ist sinnvoll.


    Arbeitsanweisungen:

    folgt...


    Besuch im Naturkundlichen Bildungszentrum Ulm

    Aufgabenblatt für den Besuch des Naturkundlichen Bildungszentrums in Ulm Sonderausstellung Schwäbisches Donaumoos

  • Gruppe 1
    Welche Tiere leben im Donauried? Wie und wo leben sie? Wodurch sind sie gefährdet?
    Welche Tierarten haben zugenommen? Warum?
    Welche Tierarten haben abgenommen? Warum?
    Beschreibt einige Biotope (Lebensräume) im Ried mit den wichtigsten Pflanzen.
  • Gruppe 2
    Im Ried gibt es verschiedene Gewässer, z.B Gräben, Flüsse, Baggerseen. Zähle einige Beispiele auf und beschreibe sie kurz.
    Wie ist das Ried entstanden?
    Was macht die Landeswasserversorgung im Ried?
  • Gruppe 3
    Beschreibt die Donau im Laufe ihrer Geschichte?
    Was geschieht derzeit mit dem Grenzgraben? Warum macht man das?
    Wie wurde das Ried früher genutzt? Wie wird es heute genutzt?
  • Gruppe 4
    Stelle eine Karte des Donaurieds her, zeichne die Gemeindegrenzen, die Kreisgrenze und die Landesgrenze ein.
    Zeichne eine einfache Karte der Schutzgebiete und stelle in einer Liste die Schutzziele und die Verbote zusammen.
    Was macht die Arbeitsgemeinschaft Schwäbisches Donaumoos?
  • Fragen an alle:
    Warum arbeitet die Arbeitsgemeinschaft Schwäbisches Donaumoos nur auf der bayerischen Seite?
    Warum gibt es auf der baden-württembergischen Seite keinen ähnlichen Verein?
    Überlegt, wessen Interessen eine Rolle spielen könnten?

    Wenn euch ein Thema besonders interessiert, das oben durch keine Aufgabe abgedeckt ist, könnt ihr das Thema zusätzlich bearbeiten!


    Fahrradexkursion am Dienstag, den 9. Mai 2000

  • Abfahrt: 8.15 am Robert-Bosch-Gymnasium, Fahrradabstellplatz neben dem Altbau
  • Rückkehr: ca. 15.30 Uhr am RBG

  • Organisatorisches:
    Die Exkursion findet bei (fast) jedem Wetter statt. Wetterfeste Kleidung und entsprechendes Schuhwerk sind wichtig. Gummistiefel oder hohe Wanderschuhe, stabile lange Hose (Brennnesseln!), Regenschutz, ausreichend Essen und Trinken gehören zur Grundausrüstung. Wir machen eine längere Mittagsrast an einem geeigneten Platz. Wo und wann, hängt davon ab, wie wir mit unseren Untersuchungen vorwärts kommen. Das Fahrrad muss verkehrssicher und weitgehend pannensicher sein. Wir fahren verschiedene wichtige Punkte an der Nau an und machen jeweils unsere Untersuchungen. Deshalb muss jede Gruppe ihre Untersuchungsmaterialien dabeihaben. Bitte nachprüfen, ob alles vollständig vorhanden ist. Wir beginnen an der Ostermühle, fahren dann zu den Brunnengalerien der Landeswasserversorgung, anschließend zur Sixenmühle und zur Jungviehweide. In Riedheim schauen wir uns die stillgelegte Mühle an, ehe es in den Auwald am Unterlauf der Nau geht. Dort deponieren wir unsere Fahrräder und dringen zu Fuß in das Reich des Bibers ein, eine urwaldähnliche Sumpflandschaft. Zum Schluss radeln wir an die Mündung der Nau in die Donau. Wir arbeiten wie bisher. Wichtig ist aber, dass jeder sich ein zusätzliches Thema, sein Lieblingsthema, heraussucht, das er in Form eines Aufsatzes, einer Zeichnung oder auch anders bearbeitet. Dieses Zusatzthema sollte in irgendeiner Form mit der Natur am Bach zu tun haben und darf völlig frei gewählt werden, sollte aber mit dem Lehrer abgesprochen werden.

  • Weiteres Vorgehen:
    Wir müssen an die Ergebnisdarstellung gehen, d.h. wir machen noch einen Nachmittag praktische Untersuchungen (17. Mai, 14 Uhr), an dem beide Gruppen zusammen kommen und im Stadtgebiet an der Nau dort ihre Arbeiten abschließen, wo diese noch nicht fertig sind. An den Donnerstagen 25.5., 15.6. und 29.6. (jeweils 1. Stunde im Raum 146) stellen wir dann die Ergebnisse zusammen, schreiben die Texte, machen Zeichnungen, Nau-Hefte und Plakate, die wir dann öffentlich vorstellen.

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    Schuljahr 2003/2004 Pflanzenpresse:

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    Schuljahr 2003/2004 Bodenuntersuchungen:

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    Schuljahr 2003/2004 Wetterstation:

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