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Sudabeh Mohafesz, Selim Özdogan und José F. A. Oliver lesen im Gymnasium








Fotos: Christiane Gullo

Ab hier kann ich jedem nur die Lektüre (sämtlicher) Werke ans Herz legen! Hier eine kleine Auswahl:

Selim Özdogan

geboren 1971, Abitur, danach Studium der Völkerkunde, Anglistik und Philosophie, abgebrochen. Zahlreiche Jobs, Veröffentlichungen seit 1995. Lebt in Köln als freier Schriftsteller und Kolumnist.

Bibliographie

1995 »Es ist so einsam im Sattel, seit das Pferd tot ist«
Roman, Rütten&Loening, Berlin
1996 »Nirgendwo & Hormone«
Roman, Rütten & Loening, Berlin
1998 »Ein gutes Leben ist die beste Rache«
Geschichten, Rütten & Loening, Berlin
1999 »Mehr«
Roman, Rütten & Loening, Berlin
2000 »Im Juli«
Roman, Europa, Hamburg
2002 »Ein Spiel, das die Götter sich leisten«
Roman, Aufbau, Berlin
2003 »Trinkgeld vom Schicksal«
Geschichten, Aufbau Taschenbuch Verlag, Berlin
2005 »Die Tochter des Schmieds»
Roman, Aufbau, Berlin
Sudabeh Mohafez

Sudabeh Mohafez wuchs in Teheran auf; in ihrer Familie wurde Deutsch, Persisch und Französisch gesprochen. Sudabeh Mohafez studierte Musik, Anglistik und Erziehungswissenschaft; Anschließend war sie Mitarbeiterin verschiedener Nichtregierungsorganisationen in den Bereichen Gewaltprävention und Migration und hatte einen Lehrauftrag an der Technischen Universität Berlin zum Thema bikulturelle Lebensweisen. Nachdem sie 1999 begonnen hatte, literarische Beiträge für Zeitschriften und Anthologien zu schreiben, lebte sie ab 2001 als Lektorin, Übersetzerin und Leiterin von Schreibwerkstätten in Berlin. Nach einigen Jahren in Lissabon, lebt und arbeitet sie heute in Stuttgart.

Bibliographie

Gespräch in Meeresnähe
Roman, Arche Verlag, 2005
Wüstenhimmel Sternenland
Erzählungen, BvT, 2007
José F.A. Oliver

José Oliver wurde in Hausach im Schwarzwald geboren und er lebt dort als freier Schriftsteller. Seine Eltern kamen 1960 aus Andalusien in den Schwarzwald.

2007 Kulturpreis der Landesstiftung Baden-Württemberg für sein schriftstellerisches Werk, seine Zusammenarbeit mit den Schulen (insb. die Schreibwerkstätten) sowie für das von ihm ins Leben gerufene Literaturfest: den Hausacher LeseLenz.

Bibliographie:

Auf-Bruch, Gedichte (1987, Verlag Das Arabische Buch).
Heimat und andere Fossile Träume, Gedichte (1989, Verlag Das Arabische Buch).
Weil ich dieses Land liebe, Gedichte (1991, Verlag Das Arabische Buch).
Vater unser in Lima, Lyrik (1991, Heliopolis-Verlag).
Gastling, Lyrik (1993, Verlag Das Arabische Buch).
Austernfischer Marinero Vogelfrau (1997, Verlag Das Arabische Buch)
Duende, Lyrik (1997, Drey-Verlag). Lyrik oder Gesang, CD (1997, FenderTon).
fernlautmetz, Gedichte+CD (1999, FenderTon/2000, Suhrkamp).
nachtrandspuren, Lyrik+CD (2002, Suhrkamp/2003, FenderTon).
finnischer wintervorrat, Lyrik (2004/05, Suhrkamp).
Unterschlupf, Gedichte (2006, Suhrkamp).
Mein andalusisches Schwarzwalddorf (2007).

Christiane Gullo

Im Rahmen des 2. Langenauer Theatrespektakels wurde uns vom Friedrich Boedecker Kreis und der Robert Bosch Stiftung ermöglicht, drei Autoren zu je einer Schreibwerkstatt und zu einer gemeinsamen Lesung an unsere Schule einzuladen. Unsere Wahl fiel auf Sudabeh Mohafesz, Selim Özdogan und wie bereits im letzten Jahr auf José F. A. Oliver.

In der Woche des Theatrespektakles wurden Theateraufführungen, Workshops angeboten, sowie der Austausch mit anderen Menschen aus verschiedenen Ländern ermöglicht. Kurz: Begegnungen mit den vielfältigen Ausdrucksformen von Kunst zum Thema Respekt. Zu diesem Thema wurden auch die Schreibwerkstätten abgehalten, die Schüler der Klassen 11a und 11b besuchen konnten, vereinzelt auch Schülerinnen der Jahrgangstufe 13.

Einer der für mich schönsten künstlerischen Ausdrucksformen war die gemeinsamen Lesung der drei Autoren, die die deutschsprachige Literatur auf so ungewöhnliche und ausdrucksstarke Weise bereichern. Ihnen eigen ist die Neugier auf das Leben und die Fähigkeit, Erfahrung in je ganz anderer Weise Sprache und Poesie werden zu lassen. Alle drei haben dafür u. a. den Chamisso Preis bekommen, ein Preis, der an deutschsprachige Autoren nicht deutscher Herkunft verliehen wird. Das bedeutet, dass sie die deutsche Sprache zum Ausdruck kultureller Vielfalt verwenden, sie dadurch bereichern, erweitern und ständig überprüfen und notwendigen Veränderungen unterziehen. Sprache wächst mit den Erfahrungen, die sie ausdrücken soll.

Es wäre schön, wenn es auch uns gelingen könnte, nicht nur durch Sprache das andere und Fremde bei uns aufzunehmen, wohnen zu lassen und mit ihm neu in unserer Sprache und in unserer Welt Wurzeln zu schlagen. Schon allein das Wort "Gast" drückt Distanz aus. Ein Gast ist willkommen, aber bleiben soll er nicht, er hat nicht das gleiche Recht auf Heimat und auf Heimisch–Werden, auch nicht in der Sprache. Das kann bestenfalls mit Erstaunen über die für einen Fremdling doch unerwartete Sprachbeherrschung enden…

Um so wichtiger, dass Autoren wie diese der Sprache die Distanz nehmen und Literatur für Menschen schreiben - nicht für Einheimische und Fremdlinge oder Gäste.

Diese Literatur, so unterschiedlich sie auch sein mag, ist das, was einen Herbsttage überstehen lässt, was einen den Winter vergessen lässt - Unbequem, Unangepasst, Sinnlichkeit und Schönheit pur. Mit einem Wort: Sprachkunst.

Christiane Gullo

Hier noch ein paar Schülerstimmen zu den Veranstaltungen

Workshop mit José Oliver
Nadine Steck, Jgst 13

Das Allererste, was wir lernten, als wir in José Olivers Schreibwerkstatt kamen:

Künstler kommen immer zu spät!

Aber das verziehen wir ihm -denke ich- sofort, denn mit Charme und Leichtigkeit führte er uns in die „Kunst des Verdichtens“ ein. In dieser Schreibwerkstatt wurden rasend schnell aus Gedanken Worte, aus Worten Sätze und letzten Endes kleine Texte. Auch aus bunt zusammen gewürfelten Worten entstand eine gemeinsame Verdichtung, die nicht nur deshalb gut klang, weil José sie mit seiner atemberaubenden Stimme vortrug. Jeder kann schreiben, wenn er es nur versucht.

Mit faszinierender Liebe zu jeder noch so kleinen Silbe schien José jedes Wort, das wir in unseren eigenen Texten geschrieben hatten, in Gedanken von allen Seiten zu beleuchten, um sicherzugehen, dass genau dieses Wort in jenem Satz passend ist und machte unsere Verdichtungen mit konstruktiver Kritik zu kleinen Meisterwerken. Immer wieder sprang er auf, um ein alltägliches Wort an die Tafel zu schreiben, über dessen wahre Bedeutung oder Zusammensetzung wir noch nie nachgedacht hatten und hinterließ einen bleibenden Eindruck, der auch heute noch nachdenken lässt. Nur deshalb kann ich jetzt mit ziemlicher Sicherheit sagen: Es ist sicher noch nicht vielen aufgefallen, dass in dem Wort "Menge" auch "Enge" steckt.

>>M:enge<<

Schreibwerkstatt

Am Donnerstag, den 13. März, und am Freitag, den 14. März, nahmen Schüler und Schülerinnen der elften Klassen an einer Schreibwerkstatt, im Rahmen des Theaterrespektakels 2008, teil.

Gestaltet wurden die Schreibwerkstätte von drei bekannten Autoren, Selim Özdogan, Jose Oliver und Sudabeh Mohafez. Letztere übernahm die Leitung des Kurses einiger Schüler und Schülerinnen der Klassen 11a und 11b.

"Ich fand, es war toll. Die Schreibwerkstatt war sehr interessant, wir begannen sofort mit Übungen zur Verbesserung unseres Sprachverständnisses und bekamen einen Einblick in das Leben einer Schriftstellerin."

"Die Erkenntnis, selbst etwas schreiben zu können war eine gute Erfahrung. Die Übungen und Stimmung während des Kurses weckten unvermutete literarische und kreative Talente; so wurde auch die literarische und kreative Ader im Unbegabtesten geweckt. Ich habe nun mehr Selbstvertrauen in meine eigenen Schreibkünste."

" Sudabeh Mohafez hat uns positiv motiviert und aufgebaut. Sie stärkte und bekräftigtete unser Selbstvertrauen und verbreitete eine angenehme Atmosphäre."


Robert-Bosch-GymnasiumLangenau - 23.07.2008
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